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310 Ruwenzori Trekking

Das Ruwenzori-Gebirge ist ein altes nicht-vulkanisches Gebiet mit steilen, schroffen Gipfeln, auf denen sich sogar Gletscher befinden.

Ruwenzori (manchmal auch Rwenzori geschrieben) bedeutet ‚König der Wolken‘ und das ist er: er stoppt Wolken und schickt Regen.

Der rund 120 km lange Gebirgszug knapp nördlich des Äquators hat etliche Gipfel, alle über 4000 müM und über der Schneefallgrenze. Sein höchster mit 5109 müM ist der Margherita Peak und somit der vierthöchste Berg Afrikas. Der auf den letzten 300 Höhenmetern vereiste Gipfel ist die höchste Erhebung Ugandas. Über den oft wolkenverhangenen Gipfel verläuft auch die Landesgrenze zwischen Uganda und der RD Kongo.

Der südwestliche Teil des Ruwenzori gehört zum kongolesischen Virunga-Nationalpark. Auf ugandischer Seite stehen knapp 1000 km2 als Ruwenzori Mountains National Park unter Schutz: 70% davon in der alpinen Zone über 2500 müM.

Alpines Trekking
Webervogel UgandaDie anspruchsvolle Besteigung eines der sechs durch tiefe Schluchten getrennten Massive innerhalb der Ruwenzori-Kette verlangt solide Bergsteigererfahrung. Dabei werden ganz unterschiedliche Vegetationsstufen durchwandert: von Grasland zu Bergwald, dann Bambus bis zur Baumgrenze auf rund 4000 müM. Danach eine hochalpine Landschaft, auf der nur noch ganz zähe Pflanzen überleben.

Die alten Griechen sahen in den Mondbergen die Quelle des Nils. Ob sie das Gebirge tatsächlich kannten, ist nicht belegt. Jedenfalls ist das Massiv bis heute ein zuverlässiger Lieferant für das Wasser des Nils.

Diese Fülle an Wasser kombiniert mit Höhenlage hat eine ganz eigene hochalpine Flora entstehen lassen. Bergregenwälder wechseln sich ab mit dichten Bambushainen. Die Waldgrenze liegt bei 4000 müM. Weiter oben wachsen die Lobelien meterhoch wie überdimensionale Zeigefinger aus der kargen Heidelandschaft hinaus. Hier wähnt sich der Berggänger in einer seltsamen, urtümlichen Welt. Kein Wunder, dass grosse Teile des Ruwenzori zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt wurden. Tiere – ausser Vögel – sind mit ansteigender Höhe seltener. Obwohl sogar Elefanten in hohen Zonen gesichtet wurden oder Leoparden.

In dieser unwirtlichen Bergwelt wurde (auf der Westseite des Ruwenzori im damals belgisch-Kongo) vor gut 100 Jahren das Okapi (Waldgiraffen) entdeckt. Es ist unwahrscheinlich, dass heutzutage auf ugandischem Territorium Okapis leben.

 

300 Toro Semliki Wildlife Reserve

Nicht zu verwechseln mit dem Semliki National Park ist das Semliki Wildlife Reserve.

Es befindet sich im Mündungsbereich des Semliki-Flusses in den Lake Albert.

Papyruswürger UgandaDas 542 km2 grosse Toro Semliki Wildlife Reserve liegt langgezogen im Riftvalley: meist Grassavanne bestanden mit Akazien und Sumpfgebieten. Als Naturzone wurde es bereits 1932 deklariert, besonders wegen den hier lebenden Uganda Kobs. Tatsächlich ist das Toro Semliki Wildlife Reserve das älteste Wildtierschutzgebiet Ugandas. Das weitflächige Gebiet war vor Generationen Weidegebiet von riesigen Herden an Kobs und Hartebeests (Kuhantilopen). Ein Naturparadies und afrikanisches Tierparadies!

Das Toro Semliki Wildlife Reserve litt – wie alle Naturschutzgebiete – während der wirren Zeiten der 1970er und 1980er Jahre massiv unter Wilderei. Die zunehmende Stabilität seit der Jahrtausendwende hat zu einer Regeneration von Flora und Fauna geführt. Heutzutage ist diese Region wieder ein sehr besuchenswertes Schutzgebiet. Es wird jedoch kaum besucht, denn ‚touristische Anlagen‘ sind äusserst mager. Trotzdem lohnt sich ein mehrtägiger Aufenthalt in dieser abgeschiedenen Savannenebene. Pirschtouren zu Land und Wasser lassen hier ‚ungestörtes Afrika‘ erleben.

Reichhaltige Tierwelt
Nebst den Uganda Kobs finden sich hier die üblichen Savannentiere. Auch Schimpansen, Nilpferde, Leoparden, Büffel und Elefanten. In der Savannenzone weiden wieder Herden an Grasfressern, umlauert von Raubtieren. Mit dem Fahrzeug sind game drives möglich, aber auch Wanderungen mit einem Ranger.

Das Sumpfgebiet der Küstenzone um den Lake Albert ist schilfbewachsen. Ein Paradies für Ornithologen. Über 400 Vogalarten sind registriert. Sogar der sonst seltene Schuhschnabel ist hier heimisch. In den Feuchtgebieten leben auch Sitatunga, semiaquatische Huftiere.


Kastentext: Uganda Kob
Die zierlich wirkende Uganda-Grasantilope (Kobus thomasi), Uganda Kob, ist ein Weidetier mit attraktiver Fellzeichnung. Eigentlich nur rotbraun glänzend, in feinen Abstufungen. Die Unterseite des Bauchs ist weiss. Nur die stolz schreitenden Männchen tragen geschwungene Hörner. Die territorialen Männchen markieren ihr Gebiet mit pfeifenden Geräuschen. Vielleicht ist der Uganda Kob das interessanteste Fotosujet der Savanne, besonders im goldenen Nachmittagslicht.

 

290 Semliki National Park

Im fernen Westen von Uganda, an der Grenze zur RD Kongo, verlaufen die hohen Gipfel des Ruwenzori-Gebirges wie eine Barriere von West nach Ost.

Das knapp 150 km lange Gebirge erhebt sich steil aus dem Grabenbruch hoch. Seine nördliche Nase flacht ab und geht in eine Sumpflandschaft über, die bis zum Albertsee reicht.

Westlich dieser nördlichen Zone des Gebirges befindet sich der Semliki National Park. Seine Westgrenze und mithin Grenze zur RD Kongo bildet der stark mäandrierende Semliki-Fluss, der Ausfluss des Lake Eduard. (Der Semliki verlässt den Lake Eduard auf kongolesischem Territorium und fliesst in den Lake Albert ebenfalls auf kongolesischem Gebiet. Der nur 140 km lange Fluss fällt in mehreren Stromschnellen insgesamt 300 m zwischen den beiden Seen. Daher schafften es die Fische des Nils nicht bis zum Lake Eduard und somit ist die Fischwelt im Lake Eduard eine ganz andere als jene flussabwärts im Lake Albert.)


Semliki wird zuweilen auch Semuliki geschrieben.


Der 220 km2 grosse Semliki National Park, 1932 als Wildpark geschaffen und 1983 zum Nationalpark deklariert, beherbergt den einzigen tropischen Tieflandwald Ostafrikas. Zudem Savanne und Sumpfgebiete. Das sehr flache Gelände ist Heimat von rund 400 Vogelarten. Und auch von Elefanten, Büffeln, Leoparden. Und Primaten. 60 Säugetierarten im Waldgebiet und insgesamt weit mehr im ganzen Nationalpark.

Der Bwamba-Wald dieser regenreichen Zone ist eigentlich eine Fortsetzung des riesigen Ituri-Waldgebiets im Kongo. Das schlägt sich auch in der besonderen Flora nieder. Westafrikanische Ölpalmen säumen die Bäche. Riesige Bäume mit mannshohen Brettwurzeln.

Schmetterling, papillon UgandaHeisse Quellen

Im Park gibt es heisse Quellen, die für die Batwa, den ursprünglichen Bewohnern des Waldes, noch immer eine wichtige spirituelle traditionelle Bedeutung haben. Für Besucher sind die heissen Sempaya-Quellen vielleicht etwas enttäuschend. Es gibt ‚weibliche‘ Quellen und ‚männliche‘. Wahrscheinlich sind die über 4 Dutzend Arten von Schmetterlingen interessanter. Wer mit Stiefeln ausgerüstet ist, kann drei Wanderwege begehen, zum Teil tief in den Wald hinein und theoretisch bis zur Grenze zum Kongo.

Um zum Semliki National Park zu gelangen, führt eine Strasse 10 km nach Fort Portal steil hinunter ins Rift Valley und in grossem nördlichen Boden um den Nordteil des Ruwenzori herum. Obwohl Naturwanderungen sehr gut machbar sind, wird der Nationalpark zumeist nur von Ornithologen besucht. Sie sagen, dass die Hälfte aller Vogelarten des tropischen Kongos genau hier zu beobachten sind.

 

280 Katonga Wildlife Reserve

Abseits aller Routen liegt das geographisch interessante Katonga-Tal.

Es verbindet den Lake Victoria im Osten mit dem Lake George im Westen.

Zebra und Wasserbock in UgandaTatsächlich entwässerte sich vor dem Entstehen des Grabenbuchs der Lake Victoria nach Westen durch das Katonga-Tal und letztendlich in den Kongo-Fluss. Erderhebungen und das Absinken der Grabenbrüche schafften dann neue Wasserscheiden.
Interessant ist aber, dass heute noch Wasser aus dieser Zone (meist) nach Westen zum Lake George abfliesst und zuweilen in Gegenrichtung zum Lake Victoria.

Seit 1964 ist das Katonga Wildlife Reserve geschützt. Der kleine Park von rund 200 km2 besteht aus Grasland und Waldgebieten. Entlang des Katonga-Flusses finden sich Sumpfgebiete. In den schwierigen 70er und 80er Jahren wurden die Mehrheit der Tiere gewildert. Heute versucht man wieder einen Bestand aufzubauen, so etwa mit Impalas und Zebras. Katonga bleibt aber ein Park für die ‚kleineren‘ Wildtiere, die auf Fusswanderungen entdeckt werden können. Dabei ist sicher der Höhepunkt die Sichtung einer Gruppe Sitatunga (Tragelaphus spekii, Wasserkudu, Sumpfbock, Sumpfantilope genannt). Sie tragen ganz herrliche Zeichnungen in ihrem rotbraunen Fell und sind auch in Uganda nur an wenigen Orten zu sehen.

Das idyllische Naturgebiet wird – leider – kaum besucht. Es liegt südlich der Hauptstrassen zwischen Kampala und Fort Portal.

 

270 Fort Portal

Fort Portal im westlichen Uganda ist eine Stadt inmitten einer lieblichen Hügelwelt.

Der historische Ort und frühere Hauptstadt des Toro-Königreiches ist das wichtigste urbane Zentrum in Westuganda mit Krankenhäusern, Universitäten und Verwaltung.

Fort Portal Uganda www.afrikatravel.chFort Portal wurde 2020 zur City erhoben, zusammen mit Arua, Gulu, Mbale, Jinja, Masaka, Mbarara. Diese Regionalzentren sollen besonders gefördert werden, um den Druck auf die Landeshauptstadt Kampala zu verringern.

Zudem gilt Fort Portal als ‚tourism city‘: hier ist der Ausgangspunkt zu den Safaris in den Weiten der Naturparks und den Bergen des Ruwenzori. Abgesehen davon gilt Fort Portal als die sauberste Stadt von Uganda.

In Fort Portal befinden sich die Karambi Tombs: Grabmäler vergangener Könige des Tooro-Volkes. Dominanter ist der Sitz der Tooro-Könige mitten in Fort Kampala. Ein 1963 erbauter Rundbau, architektonisch vielleicht nicht sonderlich beachtenswert, wenn er nicht auf dem höchsten Hügel der Stadt stehen würde und somit einen erhabenen Ausblick ermöglicht. Das auch Karuzika Palace genannte Gebäude wird heutzutage für Zeremonien benutzt und kann besucht werden. Das Königreich von Toro hat eine mindestens 200-jährige wechselhafte Geschichte hinter sich.


Kastentext: Ausrüstung
In Fort Portal ist ganz bestimmt der Moment gekommen, nochmals über die Reiseausrüstung nachzudenken. Hier im Südwesten Ugandas herrscht ein anderes Klima als in der Hauptstadt Kampala. Daher ist Fort Portal genau der Ort, um allenfalls Einkäufe zu machen. Denn her findet sich ‚alles‘.

So empfiehlt es sich, für das Gorilla-Trekking Stiefel zu nutzen. Dies ist natürlich auch wetterabhängig. Jedenfalls ist es ohne Probleme möglich, in Fort Portal Stiefel zu kaufen. Wahrscheinlich nutzen Sie die Stiefel genau einmal. Nach dem Trekking freuen sich die Dorfbewohner über Ihre Stiefel als Geschenk.

Das gleiche gilt für Regenschutz. Ersatzbatterien. Mosquitomittel. Fort Portal erfüllt heute noch die gleichen Zwecke wie vor 100 Jahren: es ist der Ort des Nachschubs. Seine Zentrumsfunktion strahlt weit hinaus in den Südwesten von Uganda.

 

70 Kayaking auf dem Nil

Der Nil wird nach seinem stürmischen Ausfluss aus dem Victoriasee zwar durch Staudämme gezähmt.

Doch es bleiben noch genug Höhenmeter, um den Victoria Nil immer wieder zu einem reissenden Bergfluss werden zu lassen.

Nil in Jinja UgandaDas hat in der Umgebung von Jinja zu allerlei Aktivitäten für Abenteuerlustige geführt. Kayaking in ruhigeren Sektoren bis Whitewater Kayaking. Stand-up paddle boarding ebenso wie in Schläuchen von Lastwagenreifen auf dem Wasser gleiten (tubing the Nile). Oder River rafting. Der Angebote sind viele.

Diese sportlichen Aktivitäten finden ab Bugali, also knappe 10 km nördlich von Jinja, statt. Also nachdem der Nil die Staudämme hinter sich gebracht hat und sich wieder frei wie vor Jahrtausenden bewegen darf.

Natürlich kann man auch eine ruhige Bootsfahrt auf einem der ruhigen Strecken des Victoria Nils unternehmen und die Kraft des Stroms und die sattgrüne Umgebung geniessen.

 

100 Pian Upe Wildlife Reserve

Das Pian Upe Wildlife Reserve gehört zu den bedeutendsten Naturschutzgebieten des Landes.

Es liegt im östlichen Teil von Uganda. Das Naturreservat erstreckt sich über eine Fläche von 2800 km2 und beherbergt eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt.

Uganda Kuhantilope Pian Upe Wildlife ReserveDer Pian Upe Wildlife Reserve zeichnet sich durch eine abwechslungsreiche Landschaft aus, die von offenen Savannen über Hügel und felsige Formationen bis hin zu Wäldern und saisonalen Flüssen reicht. Diese Vielfalt an Lebensräumen unterstützt eine grosse Anzahl von Wildtieren.

Im Reservat sind verschiedene Tierarten heimisch, darunter Elefanten, Büffel, Warzenschweine, Giraffen, Leoparden, Hyänen, Paviane und verschiedene Antilopenarten. Hier weiden auch Zebras, ein seltener Anblick in Uganda. Die Region ist auch ein Paradies für Ornithologen mit rund 250 Vogelarten.

Aufgrund seiner abgelegenen Lage und seiner wilden Schönheit ist das Pian Upe Wildlife Reserve Ziel für Abenteuer- und Naturliebhaber. Besucher können Pirschfahrten unternehmen, um die Tierwelt zu beobachten, Wanderungen unternehmen, um die beeindruckende Landschaft zu erkunden, und authentische kulturelle Begegnungen mit den einheimischen Gemeinschaften erleben.

Da aber Pian Upe auf dem Weg zwischen den Sipi-Falls und dem tierreichen Kidepo Valley liegt, fahren leider die meisten – der ohnehin wenigen – Safarifahrzeuge am Pian Upe vorbei. Ein Grund mag auch sein, dass die Unterkünfte eher bescheiden sind. Pian Upe lag immer etwas im Schatten anderer Naturreservate. Dabei wecken gerade die horizontlosen Savannenebenen, auf denen Wildtierherden grasen, Bilder einer ‚archetypischen Safari‘.

Pian Upe könnte heutzutage die ‚Serengeti‘ von Uganda sein. Doch die Geschichte Ugandas vor zwei Generationen verhinderte dies: in den wirren 1970er und 1980er Jahren wurden die Wildtierherden drastisch dezimiert. Wilderei war an der Tagesordnung und erst ab der Jahrtausendwende kam mit der Stabilität Ugandas auch wieder ein Schutz der Naturreservate. Glücklicherweise haben sich die Bestände wieder erholt.

Der Schutz des Pian Upe Wildlife Reserve ist von entscheidender Bedeutung, da es in der Vergangenheit von Wilderei bedroht war. Natürlich gibt es auch Konflikte mit den lokalen Karamojong-Viehhütern und ihrem Bedürfnis nach Weidefläche für ihre Rinderherden.

150 Fort Patio – Baker’s Fort

Eine Fahrstunde nördlich von Gulu befindet sich das Fort Patiko.

Die Befestigung wurde vom britische Entdecker und Forscher Sir Samuel White Baker während seiner Expeditionen angelegt. Die Geschichte von Fort Patiko ist eng mit den Sklavenhandelsaktivitäten der Araber in Ostafrika verbunden.

Fort Patio Gulu UgandaWährend Bakers Reisen – immer begleitet von seiner Frau Florence – durch Ostafrika stiess er in den 1860er Jahren auf die schrecklichen Auswirkungen des Sklavenhandels in der Region. Er entdeckte, dass die Araber entlang des Weissen Nils und des Albertsees Menschen aus den umliegenden Gebieten entführten und als Sklaven verkauften.

Sklavenjagden wurden seit Jahrhunderten vom arabisierten Norden des Sudans in Richtung Südsudan, Uganda und Kongo organisiert. In diesen Fanggebieten kamen die sudanesischen Sklavenhändler in Kontakt und Konflikt mit ebenfalls arabischen Sklavenfängern, die von Zanzibar, also der Ostküste Afrikas, aus operierten.

Um diesen grausamen Handel zu bekämpfen, errichtete Baker im Jahr 1872 das Fort Patiko. Damit ist er einer der vielen Forschungsreisenden, Missionare und Militärs, die sich getragen von christlichem Gedankengut, gegen die Sklaverei wandten.

Von hier aus führte Baker mehrere Expeditionen, um die Sklavenhändler zu bekämpfen und gefangene Sklaven zu befreien. Das Fort diente auch als eine Art Zufluchtsort für die befreiten Sklaven.

Das Fort lag strategisch günstig auf einer Anhöhe nördlich von Gulu. Die Wohnhäuser wurden aus lokal verfügbaren Materialien wie Lehm und Steinen gebaut, Wälle und Befestigungen dienten dem Schutz vor Angriffen.

Obwohl Fort Patiko eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Sklavenhandel spielte, war es letztendlich nicht in der Lage, den Sklavenhandel vollständig zu beenden. Baker musste später seine Bemühungen einstellen und 1876 das Fort aufgeben. Die Befestigungsanlage wurde 1879 von Gordon erweitert und benutzt.

Heute ist Fort Patiko eine Gedenkstätte. Der Besuch mag etwas enttäuschend sein. Erhalten sind nur noch drei, vier Reste von Mauern für Vorratskammern. Lokale Guides erklären Geschichte und Geschichten. Die Aussicht über die Ebene von Acholiland ist jedoch erhaben.

Heute noch wird das Fort Patio in der Volkserinnerung primär mit dem Sklavenhandel verbunden.

 

180 Pakwach

Die Stadt Pakwach liegt am linken Ufer des Weissen Nils.

Die Kleinstadt ist für die Region ‚West Nile‘ das Zentrum für Verwaltung und Handel. Zugleich ist sie Hauptstadt des Distrikts Nebbi. Fischerei und Landwirtschaft prägen die Ökonomie.

Uganda GrasantilopePakwach und noch mehr die nördlich gelegene Grenzstadt Arua sind Transitzentren für Gold aus dem Ostkongo und dem Südsudan.

In der Region des heutigen Nordwestuganda am Albertsee stiessen seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Einflusssphären von Ägypten und England aufeinander. Vorher diente die Region jahrhundertelang als Jagdgebiet für arabische Sklavenjäger. Allein in den 1860er und 70er Jahren wurden jährlich um die 30’000 Menschen in Norduganda gejagt und gelangten als Sklaven nach Khartum und Ägypten. Wer den langen Marsch überlebte, wurde in die arabischen Länder weiterverkauft.

Uganda war der Kulminationspunkt des ‚Scramble for Africa‘ Ende des 19. Jahrhunderts. Während der Berliner Konferenz 1884 wurde Afrika aufgeteilt. England stiess von Ostafrika ins Innere vor, Ägypten von Norden, Frankreich von Westen, Belgien von Südwesten und Deutschland vom südlichen Ostafrika.

Die Khediven von Ägypten hatten sich bereits den Sudan gegriffen und den Sudd durchquert. Eine führende Rolle spielte dabei Emin Pascha.

Emin Pascha

Emin Pascha wurde 1840 als Eduard Schnitzer in Schlesien (damals deutsch, heute polnisch) geboren. Sein abenteuerliches Leben spülte ihn nach Ägypten und in ägyptischem Auftrag in die Region des heutigen Südsudans und Norduganda, wo er Gouverneur der Provinz Equatoria wurde.

Seinen Hauptposten errichtete er in Wadeley nördlich von Pakwach. Doch dem Stellvertreter Ägyptens blieb kaum Zeit, eine Verwaltung zu organisieren, denn der langjährige Aufstand der Mahdisten im Sudan schnitt ihn von Ägypten ab. (Der Aufstand der Mahdisten im Sudan war eine Rebellion gegen die Fremdherrschaft der Ägypter und basierte auf fundamentalistisch-religiösen moslemischen Pfeilern. Im Hintergrund war es auch eine Reaktion auf ‚die Moderne‘, die Ägypten, ein zunehmender Vasall Englands, in seine Gebiete trug.)

Equatoria

Die Provinz Equatoria lag im Schnittpunkt kolonialer Interessen: Ägypten (und mithin England) stiessen von Norden her vor. England hatte sich an der Küste Kenyas festgesetzt und von Westen drängten die Franzosen heran. Belgien hatte im Kongo durchaus Gelüste, weiter nach Osten vorzurücken. Dazu kamen die Sklavenhändler, die in richtigen Armeen von Osten (Zanzibar) und vom Sudan aus in der ganzen Grossregion operierten. Auch die lokalen Fürsten und Ethnien waren zerstritten: autochthone Kräfte konnten den fremden Mächten nicht widerstehen. Über die explosive Landkarte fegte der kompromisslose Aufstand der Mahdisten.

Emin Pascha hielt sich also auf einem Pulverfass auf. Meist war er im Fort Dufile, das sich an der linken Uferseite des Nils kurz vor der heutigen Grenze zum Südsudan befindet. Eigentlich war er zu dem Moment ein Gefangener seiner meuternden Soldaten. Das Herannahen der Mahdisten veranlasste die Meuterer jedoch, ihn mit Frauen und Kindern auf einem Dampfer den Nil aufwärts zum Fort Wadeley ziehen zu lassen. Fort Dufile wurde dann 1888 von den Mahdisten eingenommen.

Emin Pascha und Stanley

Die Kunde über einen Europäer in bedrängender Not gelangte nach ein paar Monaten und zu damaliger Zeit also schnell nach England. In Europa brach ein wahres Fieber aus, ihn zu retten. Expeditionen wurden ausgerüstet und entsandt. Es war der Afrikaforscher Stanley, der Emin Pascha noch im Jahr 1888 erreichte. Stanley musste ihn richtiggehend überreden, mit ihm an die Küste zu gehen.

Doch Emin Pascha, die unruhige Seele, zog es zurück ins Herz Afrikas. Im Auftrag des damaligen Deutschen Reiches machte er sich 1890 wieder ins Innere Afrikas auf. Unter ungeklärten Umständen wurde er zwei Jahre später in der Region des heutigen Kisangani ermordet. Wahrscheinlich von Sklavenjägern. Als Ort wird Kinena und ebenso Nyangwe erwähnt.

Der Name Emin Pascha ist den Menschen im Nordwesten Ugandas noch heute ein Begriff. Doch wer Spuren sucht, findet nur noch wenig von Emin Paschas Präsenz vor fast 150 Jahren. Von seinem Fort in Wadeley ist nichts mehr erhalten. Eine mannshohe Pyramide erinnert zwar an Emin Pascha und ein kleines Museum beschreibt die Rolle des Sklavenhandels in der Region. Auch vom Fort Dufile ist nichts mehr zu sehen.

Pakwach

Wer in heutigen Zeiten Pakwach besucht atmet zwar Geschichte. Doch an historischen Artefakten zu sehen ist nur noch wenig. Nach der Nilbrücke führt eine geschwungene Kurve zum Stadtbeginn und dann als kerzengerade Strasse mitten durch Pakwach. Eine unaufgeregte Kleinstadt, umlagert von den Rundhütten der einfachen Bevölkerung.

Von der Nähe zum Murchison Falls National profitiert die Kleinstadt Pakwach nur bedingt. Hingegen ist Pakwach für die Gebiete westlich des Nils das Tor zu Uganda. Die elf Distrikte westlich des Nils sind genauso verloren wie die Nordostgebiete des Kongo (RDC) und die Südwestgebiete des heutigen Südsudans. Der Fluch der Geografie – und der Geschichte – haben sie ins Abseits gestellt.

Die Gebiete westlich des Nils waren vor keinen 150 Jahren noch beliebte Fanggebiete der Sklavenjäger. Rückständig sind sie geblieben. Sie sind nur durch Lateritstrassen erschlossen. Die Leute leben von Landwirtschaft und etwas Viehzucht. Strohgedeckte Rundhäuser bilden Weiler und selten Dörfer. Hier und dort eine Kirche und ab und zu eine baufällige Schule. Beschränkter Zugang zu Wasser oder gar Trinkwasser, auch in den wenigen Städte mit Wellblechdächern.

Alle sind überfüllt: Landflucht und immer wieder Camps mit Flüchtlingen, mal von hier, mal von dort. Und Grenzkonflikte mit den Nachbarländern. Und immer wieder die Verheissungen der Geologie: kaum findet jemand ein bisschen Gold oder einen Edelstein, strömen Hunderte, ja Tausende herbei, um ihr Glück zu finden.

Die ugandische Distrikthauptstadt Koboko an der Grenze zum Kongo (RDC) und Südsudan ist nur gerade 550 km von der Hauptstadt Kampala entfernt – aber es liegen Welten dazwischen.

 

190 Murchison Falls

Murchison Falls

Im Nordwesten ergiesst sich der Nil über eine Klippe hinunter ins Rift Valley. Dabei quetscht sich die Wassermenge durch eine schmale Rinne und fällt 42 Meter hinab: die Murchison Falls.

Murchison Falls UgandaDer Victoria Nil hat seit seinem Ausfluss aus dem Victoriasee bereits  knapp 500 km zurückgelegt und dabei rund 500 Höhenmeter verloren. Dies in mehreren Wasserfällen und Stromschnellen.

Hier jedoch zwängt er sich, geologisch bedingt, durch einen nur sieben Meter breiten Felsenspalt: das daraus resultierende Wasserdonnern ist weithin hörbar. Beeindruckend ist nicht so sehr die Fallhöhe, sondern die Wassermenge. 300 m3 pro Sekunde. Dies entspricht dem Volumen aller Lastwagen eines vollgefüllten Autobahnparkplatzes, 75 Fernverkehrslastwagen. Pro Sekunde.

Der Anblick ist gewaltig, das Donnern auch und Sprühregen fliehen als lange Fahnen aus dem Getöse. Glitzernde Lichtspiele begleiten die Naturdramatik bis hin zu Regenbogen.

Uhuru Falls

Bei hohem Wasserstand bildet sich rechtsufrig ein zweiter Wasserfall, die Uhuru Falls. Eher kaskadenartig, breiter und weil nur als Überlauf dienend, oft mit weniger Wasserfülle. Etwas weniger imposant, aber als Begleiter des Hauptfalls durchaus beeindruckend.

Hauptfall (Muchison Falls) und Seitenfall (Uhuru Falls) lassen eine buschbewachsene Insel zwischen sich, die seit sechs Jahrzehnten nicht mehr begangen werden kann. Nur noch ein Betonsockel erinnert and die 10-Pfund-Brücke. Der Name stammt von Winston Churchill, der 1907 an dieser Stelle stand und von der geringen Breite des Felsenspaltes nicht beeindruckt war. Seine Aussage: ‚mit 10 Pfund lässt sich eine Brücke hinüber bauen‘ wurde in den 1950er Jahren mit einer simplen Baileys-Stahlbrücke verwirklicht. Doch die grossen Regenfälle liessen den Nil 1962 so anschwellen, dass er die Brücke wie ein Streichholz wegdrückte.

Um die Fälle zu erleben gibt es zwei Möglichkeiten. Mit dem Boot flussaufwärts bis zum Wasserfall. Oder mit Auto und zu Fuss zum Kopf der Fälle.

Die Boote starten in Paraa und brauchen für die gut ein Dutzend Kilometer eine knappe Stunde flussaufwärts. Die Boote verkehren normalerweise am Vormittag und am Nachmittag. Die Rundtour dauert um die drei Stunden.

Reissende Stromschnellen

Dabei kann das Boot jedoch nicht bis ‚unter‘ die Wasserfälle in der unmittelbaren Nähe der kochenden Prallzone fahren. Die Strömung des Auslaufs mit seinen reissenden Stromschnellen und gefährlichen Strudeln lassen Boote nur bis etwa 200 oder 300 Meter heran. Der Lärm ist gewaltig und aus dem Freifall wehen zerstäubte Wassertropfen (Weisswasser) heran. Das hat auch zur Bildung eines speziellen Mikroklimas geführt: feucht und kalt-frisch.

Vom Boot aus kann man auf einem glitschigen Pfad hoch zum Kopf des Wasserfalls gehen. Oben blickt man auf die Fallzone im Durchbruch: eine gewaltige Manifestation an ungezügelter Naturkraft. Die Wasserpassage durch das Basaltgestein wird ‚Devil’s Cauldron‘ (Kochtopf des Teufels) des Teufels) genannt.  Hier will man nicht baden gehen. Von dieser Wasserkraft träumt jeder Feuerwehrmann.

Oft steigt Spritzwasser auch in nebelartigen Wolken hoch. Lichte Wassergebilde von mystischer Dimension. Was von dieser Urgewalt in Erinnerung bleibt, ist sicher das stete, ohrenbetäubende Donnern der wilden Wassermassen.

Früher wurden die Fälle Karuma Falls genannt nach dem Namen eines Dorfes in der Nähe. Zu Ehren des britischen Geologen und Vorsitzenden der Royal Geographical Society Sir Roderick Murchison umgetauft, der aber ’seine‘ Fälle nie besuchte.

Auf der gemächlichen Rückfahrt des Bootes auf dem Nil kann man ein ‚Nile-Beer‘ trinken und die Zeitung ‚Nile-Post‘ lesen. Mehr Nil geht nicht.