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131 National Parks of Uganda

Die ugandische Naturschutzbehörde (UWA) ist die staatliche Behörde zur Verwaltung der Naturparks.

Die Uganda Wildlife Authority UWA verwaltet 10 National Parks, 12 Wildlife Reserves, 5 Community Wildlife Management Areas und 13 Wildlife Sanctuaries.

Uganda Wildlife Authority Kidepo National Park Uganda

Der Unterschied zwischen diesen Einheiten ist kompliziert und hat oft historische Gründe. Die englische Kolonialmacht (1894 – 1962) begann in den 1920er Jahre mit dem Schutz von Elefanten, die bis dahin wahllos abgeknallt wurden. Aus ‚restricted aereas‘ wurden erst in den 1950er Jahren National Parks. Einen Push gab dazu der Besuch von Queen Elizabeth II im Jahre 1954. Zu ihren Ehren wurde ein Schutzgebiet im Südwesten Ugandas fortan Queen-Elizabeth-Nationalpark genannt.

10 NATIONAL PARKS
Kidepo
Bwindi
Kibale
Lake Mburo
Semliki / Semuliki
Queen Elizabeth
Murchison Falls
Ruwenzori / Rwenzori
Mount Elgon
Mgahinga

12 WILDLIFE RESERVES
Toro Semliki
Katonga
Ajai
Bugungu
Karuma
Kigezi
Kyambura
Pian-Upe
Matheniko
Bokora
Kabwoya

13 Wildlife Sanctuaries
Entebbe Wildlife Sanctuary​
Jinja Wildlife Sanctuary
Kazinga Wildlife Sanctuary
Malawa Wildlife Sanctuary
Mount Kei Wildlife Sanctuary
Ntoroko-Kanara Wildlife Sanctuary
Nyaburogo Wildlife Sanctuary
Otze Forest Wildlife Sanctuary

 

120 Kidepo Valley

Kidepo Valley

Der Kidepo Valley National Park, mit 1442 km2 der drittgrösste Nationalpark Ugandas, liegt ganz im trockenen Nordosten von Uganda.

Kidepo Valley national ParkWeitflächige Savannen lösen sich mit Felsentälern ab. Entlang von Wasserläufen stehen lichte Wälder. Der Park wird westlich von den Napore Mountains begrenzt und im Osten (entlang der Grenze zu Kenya) von den Morungole-Bergen. Zwischen diesen nord-süd verlaufenen Bergketten befinden sich die fruchtbaren Täler des Flusses Narus. Der saisonale Narus fliesst nach Norden in den Südsudan hinein.

Die Region ist Heimat von nilotischen Völkern wie die Napore oder auch die Karamojong. Sie wurden bei Gründung des Parks 1962 vertrieben. Besonders das Bergvolk der Ik machte eine schwere Hungersnot nach seiner Vertreibung mit. Eindrücklich berichtete der britische Ethnologe Colin Turnball von diesen entwurzelten Menschen.

Heutzutage ist das Kidepo Valley für seine reiche Tierwelt bekannt: Elefanten, riesige Büffelherden, Giraffen, Zebras, Antilopen, Löwen, Leoparden, Geparden, Hyänen. Ebenso für die grosse Vogelwelt: Fischadler, Sekretär, Kampfadler. 470 Vogelarten.

Der Kidepo Valley National Park ist wohl der Inbegriff für eine ‚typische‘ afrikanische Landschaft voller Akazien und Wildtiere. Andererseits ist die Region sehr weit von der Hauptstadt entfernt. Die über 500 km – zum Teil Naturstrassen – führen von der bunten und quirligen Hauptstadt in die totale Einsamkeit voller Natur und bildschönen Landschaften.


Kastentext: Idi Amins Lodge
Wer es etwas makaber mag, der wohnt im Kidepo-Valley in der Katurum Lodge. Sie wurde 1971 vom dänischen Architekten Hans Munk Hansen im Auftrag von Idi Amin erbaut. Er wählte einen Baustil der an Nepal erinnert: entlang eines Hügelkamms langgezogene Steinhäuser mit Balkon und Blick hinaus in die Ebene.

Idi Amin nutzte das Anwesen, das damals Kidepo Safari Lodge hiess, um seine Freunde zu treffen und wohl auch zu beeindrucken. Und als passionierter Jäger schwärmte er von hier aus zu seinen Safaris, um Tiere zu schiessen.
Die lange Jahre geschlossene und verkommene Anlage wurde nun wieder renoviert und als Katurum Lodge neu eröffnet und bietet 100 Zimmer.

Hans Munk Hansen (1929 – 2021) war international tätig: Malta, Iran, Saudi-Arabien, China. Von 1968 bis 1971 baute er drei Lodges in Uganda. So die Lodge in Kidepo, dann die Pakuba Safari Lodge in Murchison Falls National Park and die Semliki Safari Lodge. Ebenso fünf Gemeinschaftshäuser (Assembly Houses) an verschiedenen Orten in Uganda mit Restaurant, Versammlungsräumen und Unterkünften.

Die Pakuba Safari Lodge baute Hans Munk Hansen für eine Hotelkette. Die Lodge wurde dann aber verstaatlicht und zum Lieblingsort von Idi Amin. Heute ist sie ein lost place: verfallene Ruinen. Nicht zu verwechseln mit der New Pakuba Safari Lodge in der unmittelbaren Nähe.

 

110 Karamojong, das Hirtenvolk

Die Karamojong sind eine ethnische Gruppe in Uganda, die hauptsächlich in der dünn besiedelten Region Karamoja im Nordosten des Landes lebt.

Die Karamojong sind halbnomadische Viehzüchter und leben traditionell von der Haltung von Rindern, Ziegen und Schafen.

Karamojong in Kotido UgandaIhr Leben ist eng mit der Viehzucht verbunden. Sie ziehen mit ihren Herden umher, um nach frischem Gras und Wasser zu suchen. Die Rinder haben eine besondere kulturelle Bedeutung für die Karamojong und spielen eine wichtige Rolle in ihren sozialen, wirtschaftlichen und zeremoniellen Aktivitäten. Der grosse Viehmarkt von Naitakwai füllt jeden Montag einen freien Platz zwischen Akazien mit Rindern, Ziegen und bunt gekleideten Menschen.

Die Karamojong sind bekannt für ihre traditionelle Kleidung, die aus bunten Umhängen und Geweben besteht. Ihre Kleidung ist oft mit auffälligen Perlen verziert und spiegelt ihre kulturelle Identität wider.

Die Karamojong-Gesellschaft ist in Clans organisiert, die jeweils ihre eigenen Hierarchien und sozialen Strukturen haben. Die Gesellschaft ist patriarchalisch geprägt. Das Familienoberhaupt spielt eine dominante Rolle bei Entscheidungen und Angelegenheiten der Gemeinschaft.

Traditionell waren die Karamojong als kriegerisches Volk bekannt und waren – und sind – immer wieder in Konflikte mit benachbarten Ethnien verwickelt. In den letzten Jahren hat die Regierung von Uganda jedoch Bemühungen unternommen, die Sicherheit und Entwicklung in der Karamoja-Region zu fördern und die Karamojong in friedliche Tätigkeiten und nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten einzubinden.

Konflikte sind unausweichlich. So finden sich in der Region Vorkommen an Marmor. Er wird industriell abgebaut und in Kampala in exportfähige Blöcke geschnitten. Die Bergwerke verhindern den Zugang der Viehherden der Karamojong. Ebenso wie das Pian Upe Wildlife Reserve und gar die Grenze zu Kenya die traditionellen Weiderouten behindern. Das schätzen die kriegerischen Karamojong in keiner Weise.

Streitigkeiten mit anderen nilotischen und ebenfalls nomadischen Nachbarvölkern um Weide und Wasser sind häufig. Immer wieder flammen solche Konflikte um essentielle Ressourcen auf. Traditionellerweise wurden solche Auseinandersetzungen in langanhaltenden Kleinkriegen geregelt. Auf Angriff folgte ein Gegenangriff, der einen erneuten Angriff erzeugte. Die Spirale der Gewalt war jahrhundertelang Alltag. Heutzutage versuchen die staatlichen Administrationen von Uganda und Kenya, solche blutigen Streitereien zu verhindern. Nicht immer erfolgreich.

 

90 Mount Elgon Trekking

Einer der höchsten Berge von Uganda ist der Mount Elgon, ein erloschener Vulkan an der Grenze zwischen Uganda und Kenia.

Er ist der viertgrösste freistehende Berg Afrikas und einer der ältesten Vulkane der Welt.

Sippi falls Mount Elgon UgandaDer Gipfel des Mount Elgon liegt auf einer Höhe von 4321 Metern über dem Meeresspiegel. Die Gipfelcaldera hat einen Durchmesser von etwa 8 Kilometern und ist umgeben von beeindruckenden Felswänden.

Der Berg mit von üppigen Wäldern, Hochmooren und reicher Biodiversität bietet eine atemberaubende Aussicht auf die umliegenden Regionen. Der Mount Elgon ist ein beliebtes Ziel für Trekking- und Wandertouren. Es gibt verschiedene Routen und Wanderwege zum Gipfel.

Das Trekking auf den Mount Elgon ist zwar weniger anspruchsvoll als das Trekking auf den höchsten Berg Afrikas (Kilimandscharo) oder den schneebedeckten Ruwenzori im Westen von Uganda. Nichtsdestotrotz ist die Tour kein Spaziergang und nur für geübte Berggänger zu empfehlen. Hier ist ein Trekking nicht so komfortabel organisiert wie zum Kilimanjaro oder im Himalaya. Während des mehrtägigen Trekkings ist Luxus ein schmales Wort. Dafür gibt es keine Staus und Warteschlangen vor dem Gipfel.

Für ein Trekking zum Gipfel muss etwa eine Woche eingerechnet werden. Die Expedition muss vororganisiert sein, es braucht Träger und Bergführer, Zelte und Nachschub.

Weniger Ambitionierte können erlebnisreiche Wanderungen in der Umgebung der Sipi-Fälle
am Fuss des Mount Elgon machen. Das Gebiet rund um den Mount Elgon ist reich an Flora und Fauna. Insbesondere auch für Vogelbeobachtungen finden ornithologisch Interessierte gute Beobachtungsplätze.


Kastentext: Teryet Sportzentrum

Auf 2575 müM befindet sich das High Altitude Center in Teryet am Nordrand des Mount Elgon. In dieser alpinen Umgebung können Sportler trainieren, besonders die Marathonläufer. Die 2023 zertifizierte Rundbahn von 400 m bietet auch Unterkunftsmöglichkeiten für die Sportler. Dazu kommt ein 3 km langer Jogging Trail. Ugandische Sportler mischen immer wieder in der Weltliga mit. Viele stammen aus der Region des Mount Elgon.

 

80 Sipi-Falls und Coffee Tour

Der erloschene Vulkan Mount Elgon steht wie ein grimmiger Wächter an der Grenze zwischen Uganda und Kenya.

Gegen Uganda hin entwässern ihn zahlreiche Bäche und Flüsse. Viele davon stürzen sich in dramatischen Wasserfällen senkrecht über Steilstufen.

Uganda Sipi Falls Mount ElgonDie bekanntesten sind die Sipi-Falls. Eigentlich sind es drei Wasserfälle. Der unterste und gleichzeitig höchste misst 95 Meter. Er durchquert eine Hochebene und donnert dann rauschend hinab ins Tal. Seine Dramaturgie ist beeindruckend. Von da an ist er nur noch ein unbedeutender Fluss in den flachen Kumi Plains.

Wanderwege führen durch grüne Landschaft hoch zur Krone des Hauptfalls. Nicht nur der Wasserstrahl ist gewaltig, die Aussicht ist es auch. Zudem die Vegetation und hier und dort findet man die bananenähnliche Staude namens ’sep‘, von wo der Fluss seinen Namen hat. Die Wildbanane wird als lokale Heilpflanze geschätzt.

Nur trittsichere Wanderer besuchen auch die höher gelegenen mittleren Simba Falls (Fallhöhe 74 m) oder gar die obersten Ngasire Falls (Fallhöhe 60 Meter).

Die Geologie des Mount Elgon hat noch weitere imposante Wasserfälle zu bieten, so auch jene der Flüsse Chebonet und Cheptoyok: fast 100 Meter hohe Wassermengen, die wie die Haare einer Bergfee in die Tiefe fallen. Für diese Touren sind gute Kondition und ein Lokalführer notwendig.

Die Flanken des Mount Elgon werden landwirtschaftlich intensiv genutzt. In der Zone betreuen Bauern Kaffeepflanzen. Die Sorte Bugisu Arabica wächst in dieser Höhenlage besonders gut. Natürlich kann man ihn probieren.

 

61 Der Nil

Der Nil entspringt in Afrika, das wussten schon die alten Griechen.

Doch wo, das wussten sie nicht und nannten die Mondberge als Quelle des mächtigen Stroms. Die Römer hingegen suchten vergeblich nach den Quellen des mächtigen Flusses. ‚Caput Nili quaerere‘, nach den Quellen des Nils suchen, bedeutete für sie, etwas Sinnloses zu unternehmen.

Nil in UgandaDoch der koloniale Run auf Afrika Ende des 19. Jahrhunderts machte diese Frage zum wichtigsten Rätsel der damaligen Zeit. Unzählige Abenteurer und Forschungsreisende machten sich auf, um die Quelle des Nils zu erforschen.

Als am 28. Juli 1862 John Hanning Speke als erster Europäer sah, dass sich das Wasser des Victoria Sees über die Ripon Falls in den Nil ergossen, glaubte er die Quelle des Nils entdeckt zu haben. Rund 3 km stromabwärts fand er die Owen Falls.

Seither gilt der Ausfluss des Victoriasees als offizielle Nilquelle.

Der Victoria Nil verlässt den See als unruhiges Gewässer. Die Wassermenge zwischen den Jahreszeiten variiert nur wenig. Zwar haben ihn die Staudämme beruhigt, aber ausserhalb der Stauseen ist er das, was er immer war: ein ungestümer Fluss mit Windungen, Stromschnellen und felsigen Inseln. Der Victoria Nil verlässt bei Jinja den Victoriasee und fliesst erst nach Norden in den Kale Kyoga. Er verlässt ihn im Westen, um im grossen Halbbogen in den Lake Albert zu fliessen. Dort umfliesst er nur eine Halbinsel und verlässt den See wieder als Weisser Nil in Richtung Norden.

Im Südsudan verliert sich der Nile orientierungslos im flachen Sumpfgrasland des Sudd. Im Norden des Südsudans sammelt er sich wieder und fliesst nach Khartum, um dort den Blauen Nil aus Äthiopien aufzunehmen. Als Nil fliessen die beiden Gewässer nach Norden, nehmen den Atbara (Schwarzer Nil) auf und treffen auf den Assuan Staudamm. Danach durchfliesst der Nil als Lebensspender die ganze Länge von Ägypten.

Für Ägypten war und ist der Nil eine Gabe Gottes.

Der Weisse Nil aus Uganda spendet durch seinen konstanten Wasserfluss Stabilität, der Blaue Nil aus Äthiopien bringt Hochwasser und Fruchtbarkeit.

Natürlich ist alles komplizierter. Von Ägypten aus führt ein klar definierter Flusslauf ins Herz von Afrika. Doch wie ein Baumstamm in tausend Wurzeln im Erdreich gründet, so verzweigt sich der Nil in mehrere Zuflüsse und Bäche. Ein riesiges Netzwerk aus Quellen speist das Wasser für den Nil. Über ein Dutzend Länder liefern Wasser in den Nil, rund 10% der Fläche Afrikas.

Wo also liegt die Quelle des Nils?

Die südlichste Quelle des Nils liegt in Burundi. Am Mount Gikizi nahe der Grenze zu Tanzania entspringt der Luvironza, der in den Ruvuvu fliesst. Der Ruvuvu fliesst in den Kagera, der sich seinerseits in den Viktoriasee ergiesst. Burundi ist stolz darauf, die Source du Nil zu sein und hat sogar eine kleine Denkmalpyramide dazu gebaut.

Natürlich geben die Nutzung des wertvollen Wassers immer wieder Diskussionen. Besonders Ägypten will seinen Wasserbedarf gedeckt wissen. Daher sind die Anrainerstaaten in der Nile Basin Initiative organisiert: one river, one people, one vision. Es gehören dazu Burundi, Rwanda, DR Congo, Tanzania, Uganda, Kenya, Äthiopien, Südsudan, Sudan und natürlich Ägypten.

So gut wie alles Wasser von Uganda gelangt letztendlich im Nil. Uganda ist wie ein riesiger Trog mit einem einzigen Abfluss: dem Weissen Nil.

 

54 Boda Boda

In Uganda ist „Boda Boda“ die Bezeichnung für Motorradtaxis.

Diese Motorradtaxis sind die weitverbreitete Form des öffentlichen Verkehrs in vielen Städten und ländlichen Gebieten des Landes.

Boda Boda Motorradtaxi in UgandaDer Name „Boda Boda“ soll daher stammen, dass die Inder 1972 während der Idi Amin Zeit das Land schnell verlassen mussten. So setzten sie sich verängstigt auf Motorräder und riefen dem Fahrer zu: border-border.

Die Boda Boda-Fahrer bieten kurze Transportdienstleistungen für Einzelpersonen innerhalb von Städten und Dörfern an und sind bekannt für ihre Fähigkeit, sich schnell und geschickt durch den oft dichten Verkehr zu bewegen. Sie sind eine kostengünstige und zeitsparende Option für diejenigen, die schnell von einem Ort zum anderen gelangen möchten, insbesondere in Gebieten, die für grössere Fahrzeuge schwer zugänglich sind.

Obwohl Boda Boda-Fahrten in Uganda bequem und erschwinglich sind, gibt es auch einige Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit dieser Transportmethode. Die Fahrer sind oft ohne Helm oder Schutzkleidung unterwegs, und die Motorräder können manchmal überladen oder in schlechtem Zustand sein. Es sollten nur lizenzierte Boda Boda-Fahrer berücksichtigt werden.

Im technikorientierten Uganda, wo Internet und Handy zum Alltag gehören, wurde natürlich auch eine App entwickelt, mit der ein Boda Boda bestellt werden kann. Die Fahrer müssen dazu registriert sein und die Position wird per GPS festgehalten. Dies dient der Sicherheit des Fahrgastes. Eingebaut ist gleich auch die Bezahlmethode: bequem und einfach per Klick auf die App.

Dank dieser Methode sind Boda Boda-Fahrten transparent und sicherer geworden. Boda Boda-Fahrten gehören im städtischen Leben zum festen Bestandteil des ugandischen Alltags. Auch in ruralen Gebieten sind diese Motoradtaxis nicht mehr wegzudenken. Dort dienen sie auch zum Transport von Passagieren mit zuweilen viel Gepäck.

Kleinbusse, Matatu genannt, verkehren auf festgelegten Routen mit Halt nach Bedarf. Die billigen Minibusse sind die Fortbewegungsart der meisten Ugander trotz der engen Platzverhältnisse, der zuweilen prekären Zustand der Fahrzeuge und der allgegenwärtigen Diebstahlgefahr.

In Uganda werden auch zahlreiche Fernbuslinien betrieben. Sie starten jeweils von Busbahnhöfen, so beispielsweise vom Kampala Bus Terminal. Mehrere Companies konkurrenzieren um Fahrgäste. Diese Linien bedienen alle Städte Ugandas  und es gibt sogar Fernbusse nach Kenya oder Ruanda. Selbstverständlich wurden auch dazu Apps entwickelt, um Buchung, Sitzplatzreservierung und Bezahlung per Handy zu ermöglichen.

 

53 Eisenbahnmuseum

Ende des 19. Jahrhunderts bestand British East Africa aus Mombasa mit Hinterland.

Das Hinterland erstreckte sich bis Uganda und dorthin waren die Augen der Briten gerichtet.

Eisenbahn in UgandaDie Idee einer Erschliessung von Uganda kam früh. 1896 war die erste Schienenlegung in Mombasa und bereits 1901 war die Meterspur bis zum Hafen Kisumu gelegt. Von dort ging es per Schiff auf dem Viktoriasee nach Uganda.
Nairobi, die heutige Hauptstadt von Kenya, entstand mehr zufällig als Eisenbahndepot auf dem Weg nach Uganda. Kenya selber war nur als Transitland gedacht, um die ‚Perle Afrikas‘ – Uganda – zu erreichen.

Ziel der meterspurigen Ugandabahn war von Beginn an Kisumu am Victoriasee. Von dort verkehrten Liniendampfer nach Port Bell in Uganda und dann eine kurze Linie bis Kampala. Erst in den 1930er Jahren wurde eine direkte Linie in Umgehung des Victoriasees gebaut.

In Uganda wurde Kampala zum Ausgangspunkt von zwei Linien quer durch das Binnenland. Die eine Linie führte nach Westen nach Kasese. Eine andere Linie, die Northern, führte über Gulu nach Pakwach und Arua an die kongolesische Grenze. Projekte, die Bahn bis (Süd-) Sudan zu verlängern, realisierten sich nicht.

East African Railways and Harbours Corporation (EAR&H)

Mit Unabhängigkeit bestanden grosse Pläne: die drei Länder Kenya, Tanzania und Uganda wollten zusammenarbeiten, gar fusionieren. Dem war nicht so.

So brach auch die East African Railways and Harbours Corporation (EAR&H) 1977 auseinander und Uganda übernahm seinen Teil als Uganda Railways Corporation (URC). Mehr schlecht als recht ging die Eisenbahn durch die Jahre bis zum fast kompletten Stillstand.

Heute verkehren noch – oder eher wieder – wenige Vorortszüge in Kampala und ab und zu Güterzüge auf längeren Strecken. Die Langstrecken quer durch Uganda sind eingestellt, die Schienen von Gras und Gebüsch überwachsen. Allerdings sind Bemühungen im Gang, den ‚Northern corridor) nach Gulu wieder zu reaktivieren.

Hier und dort sind noch alte Bahnhöfe zu sehen, Schienenstücke und ein paar Brücken. Fotografen finden interessante Orte, oft lost places voller Geschichte. Eisenbahnhistoriker finden eine interessante Linienführung, sogar eine 540 Grad-Kehrschleife in Nkongora. Alte Eisenbahner schwärmen von den goldenen Zeiten der Eisenbahn und ihrer sprichwörtlichen Zuverlässigkeit.

Die ehemalige Bahnstation in Jinja ist zu einem interessanten Museum ausgebaut. Hier sind Spuren der fast hundertjährigen Eisenbahngeschichte Ugandas zu sehen.

 

52 Powerstations am Nil

Powerstations am Nil

Die gewaltige Wasserkraft des Nils ist prädestiniert für die Erzeugung von Strom.

Owen Falls Uganda stamp BriefmarkeDas geschah mit dem Bau des Owen Falls Dam in den 1950er Jahren.  Über den mit zehn Turbinen versehene Damm führt auch eine Autostrasse.
Queen Elisabeth II weihte den Damm im April 1954 offiziell ein.

Der entstandene Stausee des Damms geht nahtlos in den Victoriasee über und ist eigentlich eine Bucht des grossen Sees geworden. In Kauf nahm man dabei, dass die charakteristischen Ripon Falls im See versanken. Durch den Bau des Owen Falls Staudamms 1954 versanken die beiden Wasserfälle Ripon und Owen im um drei Meter gestiegenen Viktoria See.

Kurz vor diesem Damm wurde ein seitlicher Kanal gegraben, um das Nalubaale Power Station extension project zu realisieren.  Dies besteht aus einem zweiten Damm mit fünf Turbinen. Fortan wurde diese Anlage Kiira Hydroelectric Power Station genannt.

Heutzutage sind die sich in unmittelbarer Nähe befindlichen Dämme als Nalubaale Hydroelectric Power Station bekannt.

Rund 8 km von Jinja flussabwärts durchlief der Nil eine Serie von fünf Stromschnellen, die Bugali Falls. Auch sie ertranken durch den Bau des Bujagali Staudammes.

Erhalten sind die Busowoko Falls rund 20 km von Jinja entfernt.

Kurz vor den Murchison Falls Nationalpark entstand der Karuma Damm.

Weitere Dämme sind geplant. Dies bringt den Umweltschutz in Konflikt mit der Stromversorgung des Landes. Ein gewaltiges Politikum. Und ein schwieriger Weg für einen Binnenstaat, der vor einer Generation bittere Zeiten durchlebte und dessen Bevölkerung stetig wächst.

Seit Zehntausenden von Jahren transportierte der Nil die Wasser des Victoria Sees hin zum Mittelmeer. Die Menschen an seinen Ufern lernten mit dem Fluss und seinen Allüren zu leben. Sosehr, dass sie den Nil als lebensspendenden Gott anbeteten. Denn der Nil brachte aus Uganda eine konstante Wassermenge für die Bewohner des Niltals.

Mit dem Bau von Staudämmen haben Mensch und Technik stark eingegriffen. Trotzdem bleibt der Nil, was er immer war: ein magischer Fluss und weithin unbezwingbar.

 

51 Die Brücken über den Nil

Der Nil fliesst in Uganda vom Südosten nach Nordwesten.

Bereits als Ausfluss des Viktoriasees ist er ein mächtiger Fluss. Es gibt in Uganda nur wenige Brücken über den Nil.

Heutzutage führen in der Region um Jinja drei Brücken über den Nil. Weitere finden sich flussabwärts.

Die erste Brücke nach dem Victoriasee ist die älteste
Die 1931 erbaute Brücke war die erste Eisenbrücke in Uganda über den Nil überhaupt. Die Metallbrücke wurde für die Eisenbahn gebaut, aber auch von Fahrzeugen genutzt. Und auch von Fussgängern. Heute noch strahlt die Eisenkonstruktion eine würdige Pracht aus. Sie wird weiterhin von der Eisenbahn und Fussgängern benutzt.

Die zweite Brücke flussabwärts ist die schönste
Flussabwärts entstand in Fussdistanz zur alten Eisenbahnbrücke die Source of the Nile Bridge: eine Stahlseilbrücke für den Fahrzeugverkehr. Die 2018 eingeweihte – und grossteils von Japan finanzierte – Schrägseilbrücke wirkt elegant und leicht. Sie trägt den Verkehr der Fernstrasse A109.

Owen Falls Uganda stamp BriefmarkeDie dritte Brücke ist ein Damm
In den 1950er Jahren bauten die Briten die Nalubaale Power Station, damals Owen Falls Dam genannt. Der Damm war gleichzeitig eine Strasse. Die Ripon Falls versanken im Stausee. Fahrräder und Motorräder müssen weiterhin die Strasse über die Dammkrone nutzen. Ihnen ist das Befahren der neuen Brücke untersagt.

Isimba bridge ins Hinterland
Weit weg von Zentren, aber wichtig, ist die neuerbaute Isimba Brücke etwa auf halber Strecke zwischen dem Viktoriasee und dem Kale Kyoga. Sie wurde 2021 eröffnet und erschliesst ein grosses Hinterland zwischen Kayunga and Kamuli. Die Brücke liegt gleich nach dem Isimba hydropower dam.

Der Übergang ist eine Fähre
Der Lake Kyoga ist eigentlich ein riesiges, natürliches Staubecken für den Nil. Kurz vor seinem Ausfluss führt eine Autofähre von Zengebe nach Namasalein in 30 Minuten über den Nil: 9 km von Hafen zu Hafen.
Die in Dänemark und Uganda gebaute Ro-Ro Fähre hat Platz für 16 Fahrzeugeinheiten und 160 Sitzplätze für Passagiere.

Fähre über den Nil
Flussabwärts führt ab Masindi Port eine Fähre über den Nil nach Kungu Ferry Point. Die Fähre ist eher ein motorisiertes Ponton für 6 Fahrzeuge, das im halbstunden Takt die rund 200 Meter zum anderen Ufer fährt.
Masindi Port war früher ein wichtiger Etappenort für Reisende. Sie reisten auf dem Victorianil ab den Stromschnellen von Jinja bis hierher auf dem Boot, dann über Land zum Lake Albert.
Von der Stadt Masindi zu Masindi Port sind es 47 km und rund 1 Stunde Fahrzeit.

Karuma: nur ein Damm
Flussabwärts wird der Nil durch einen Damm gestaut. Der Karuma Dam darf von Privatfahrzeugen nicht befahren werden, sowie die Anlagen ebenfalls nicht zugänglich sind.

Karuma Bridge, die Menschenfresserin
Ein paar Stromschnellen weiter unten und nach den Karuma Falls führt eine Brücke über den auch hier schmalen, aber sehr wilden Nil. Kurz vorher befindet sich der Karuma Staudamm, der aber nicht besucht werden kann.
Die schmucklose Brücke wurde 1963 erbaut. Hier entluden Idi Amins Schergen Leichen und Lebende über die Brücke in den reissenden Fluss. Daher war die Brücke auch als ‚Lamyony jo‘ gefürchtet: Menschenfresser. Abgesehen davon war und bleibt die zweispurige Brücke für die vielen Unfälle berüchtigt.
Die New Karuma Bridge ist seit Jahren geplant und im Gespräch – aber noch nicht finanziert.
Dieser wichtige Übergang verbindet den Nordwesten und Norden mit dem Rest des Landes.

Auf der Paraa bridge in den Nationalpark
Nach den dramatischen Murchinson Fällen führt in Paraa eine neuerbaute Brücke über den hier schiffbaren Nil. Die beeindruckendes Konstruktion ersetzt die Plattformfähre, die jahrzehntelang Touristen in den Park geschippert hatte. Die neue Betonbrücke ist 525 Meter lang und führt auf 12 Pfeilern über den hier ruhigen Nil.

Brücke ohne Eisenbahn in Pakwach
Der Nil beruhigt sich im Albertsee und fliesst als weisser Nil nach Norden. Kurz nach seinem Ausfluss liegt linksseitig der Ort Pakwach. Die 1969 eröffnete Beton-Stahl-Konstruktion (system Warren truss) besteht aus drei Segmenten zu je 81 Metern. Die Brücke wurde früher auch Albert Nile Bridge genannt. Besonders ist, dass eine einspurige Eisenbahnlinie mitten in der Fahrbahn führt. Doch über diese Schienen sind schon seit Jahrzehnten keine Lokomotiven gefahren.
Diese Brücke ist die letzte Brücke über den Nil in Uganda. Sie war zur Nutzung der Eisenbahn gedacht, wie auch die erste der Brücken am Viktoriasee.

Die letzte Fähre
Kurz vor der Grenze zum Südsudan führt eine einfache Motorfähre bei Laropi über den hier seenartig verbreiteten Nil nach Umi und verbindet so die Kleinstädte Adjumani und Moyo. Um die 2000 Personen nutzen diese Fähre täglich. Sie transportiert auch Fahrzeuge. An Land sind keinerlei Verladeinfrastrukturen: die Fahrzeuge fahren über die fähreneigene Metallrampe auf das flache, längliche Schiff.
Hier ist man rund 500 km von Kampala entfernt und sehr sehr weit im savannigen Hinterland.